Trotz der Arbeiten des EU-Verfassungskonvents zweifeln viele an der MoÌglichkeit europaÌischer Verfassunggebung, weil die EU kein Staat ist und es kein einheitliches EU-Volk gibt. Tobias Herbst untersucht, wie Hoheitsgewalt durch Verfassunggebung legitimiert werden kann. Dabei kritisiert er die simplifizierende »urheberorientierte« Vorstellung, dass legitime Verfassunggebung auf ein einheitliches, souveraÌnes Staatsvolk zuruÌckgehen muÌsse. Unter RuÌckgriff auf die Verfassungstheorien der Amerikanischen und der FranzoÌsischen Revolution und auf die Theorie des Gesellschaftsvertrages entwirft Herbst ein Prinzipienmodell der Verfassunggebung mit drei zum Teil gegenlaÌufigen LegitimitaÌtsprinzipien: Freiheitssicherung, kollektive Autonomie und dauerhafte KonsensfaÌhigkeit. Aus diesem Modell lassen sich Aussagen uÌber die LegitimitaÌt staatlicher und supranationaler Verfassungen gewinnen. EuropaÌische Verfassunggebung ist demnach jedenfalls moÌglich und setzt kein einheitliches, souveraÌnes EU-Volk voraus. Das Buch erhellt den staatsphilosophischen Hintergrund der gegenwaÌrtigen Diskussion uÌber eine EuropaÌische Verfassung und spricht damit Juristen, Politikwissenschaftler und interessierte Laien an. |