Dass die roÌmischen Dichter poetischer Kleinformen (also vor allem Lyrik, Elegie und Epigramm) von Catull bis Ovid auf griechische Modelle rekurrierten, die mehr als ein halbes Jahrtausend vor der eigenen Zeit und unter voÌllig anderen politischen und gesellschaftlichen VerhaÌltnissen entstanden sind, ist fuÌr die Klassische Philologie eine selbstverstaÌndliche und auf den ersten Blick wenig aufregende Tatsache. Die Forschung des 20. Jahrhunderts interessierte sich vornehmlich fuÌr die formale und aÌsthetische Dimension dieses Aneignungsprozesses: Horaz lernte gewissermaÃen durch das gruÌndliche Studium von Sappho und Alkaios, wie man gute lyrische Gedichte schrieb. Die vorliegende Studie nimmt diesen Vorgang nicht als selbstverstaÌndlich hin, sondern untersucht fuÌr besonders relevante Themen (Liebe, Symposium, Gesang, Politik) und AutorenpersoÌnlichkeiten (Sappho, Archilochos, Pindar), welches spezifische Potenzial roÌmische Autoren in den griechischen Texten sahen und wie sie ihre PraÌtexte auch dafuÌr nutzten, eine kritische Distanz zur eigenen Gegenwart aufzubauen. |