LOST ist eine der ersten Serien, in der vollkommen auf die episodische Struktur verzichtet wird und die zudem derart fragmentarisch-nonlinear organisiert ist, wie es in diesem Ausmaß in einem werbefinanzierten US-Network noch nicht da gewesen ist. Hinzu kommen eine Fülle an Details sowie unzählige intertextuelle Verweise, die, in Verbindung mit der Distribution von Erzählelementen in andere Medien, multiple vernetzte Handlungs- und Bedeutungsebenen generieren. Anhand von LOST als paradigmatischem Beispiel zeigt Daniela Olek in ihrer Studie auf, wie ein eigentlich geschlossenes Textsystem, die Fernsehserie, durch die Einbettung in einen Medienverbund – Internet, DVD und Videospiel – geöffnet wird und den Zuschauer in die narrative Welt integriert. Ausgehend von der Prämisse, dass sich Medien und infolgedessen ihre jeweiligen ästhetischen Formen intermedial beeinflussen und neue Medien wie das Internet die Weiterentwicklung bestehender Erzählformen implizieren, analysiert Olek die aktuellen, höchst komplexen und weitreichenden Transformationen medialen Erzählens vor dem Hintergrund eingeführter Hypertext-Konzepte. Anhand der Hypertext-Charakteristika Nonlinearität, Verlinkungen und aktive Rezipienten entwirft Olek eine Poetik transmedialen Erzählens und reflektiert die Implikationen einer derartig gestalteten Fernsehserie auf das Konzept von Zuschauerschaft wie auch auf das Medium Fernsehen selbst. |